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Bericht vom Castor 2011

Thursday, 15.December 2011 von

News

Ende November war es wieder soweit, im Wendland wird es die 5. Jahreszeit genannt: Die Tage, wenn der Castortransport mit hochradioaktivem Müll in Richtung Gorleben rollt. Auch wir Stader Jusos wollten dieses Jahr Teil des Protests gegen die Atom- und Endlagerpolitik der Bundesregierung sein und machten uns daher, nach guter Planung und Vorbereitung, am Samstagmorgen in aller Frühe auf in Richtung Dannenberg. Schon auf dem Hinweg wurde deutlich, dass Protest abseits der vorgegebenen Demoroute äußerst schwierig werden würde: Fast 20.000 Polizeikräfte waren im Einsatz, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

In Dannenberg angekommen schlossen wir uns sogleich den Menschenmassen an, die aus den dutzenden Bussen strömten. Gemeinsam gingen wir zu einer der beiden Auftaktkundgebungen und machten uns dann auf den Weg zur Großkundgebung. Hier wurde ein abwechslungsreiches Programm geboten, es gab tanzbare Musik, verschiedenste Infostände und interessante Redebeiträge. Besonders bewegend war die Rede von betroffenen Aktivistinnen aus Fukushima, welche durch die Folgen des Atomunglücks im havarierten japanischen Atomkraftwerk alles verloren haben und es daher nun als ihre Aufgabe ansehen, sich weltweit gegen Kernenergie auszusprechen und vor den möglichen Folgen zu mahnen.

Schon im Vorfeld hatten wir uns jedoch darauf geeinigt, nicht bloß an der Demonstration teilzunehmen. Friedliche Blockadeaktionen und ziviler Ungehorsam gehören genauso zum Protest und sind in unseren Augen legitime Mittel gegen eine völlig verfehlte und hochgefährliche Endlagerpolitik. Dank des Tickers war es stets möglich, bestens über die Aktionen an der Schiene informiert zu sein. Daher fuhren wir ein Stück aus Dannenberg heraus und wanderten mit vielen weiteren Aktivisten_Innen querfeldein bis zur Bahnstrecke. Hier hatten schon tausende Menschen auf den Schienen Platz genommen, es brannten Lagerfeuer, die VoKüs kochten heiße Suppe und die Blockierer_Innen brachten sich mit Schlafsack und Planen in Stellung für die Nacht. Auch die musikalische Begleitung fehlte nicht, der Lautsprecherwagen spielte Arbeiterlieder und plötzlich tauchte mitten im Wald eine Blaskapelle auf, die von „Bella Ciao“ bis „Highway to Hell“ alles spielte und großen Applaus erntete. Nach einiger Zeit trafen wir dann auf Bekannte und setzten uns zusammen um ein Feuer, um uns aufzuwärmen und etwas zur Ruhe zu kommen. Später in der Nacht ging es dann zurück Richtung Stade.

Insgesamt können wir auf ein erfolgreiches Wochenende zurückblicken, wir haben unseren Protest mit vielen anderen Menschen zum Ausdruck gebracht und durften ein regelrechtes Anti-Atom-Happening miterleben. Besonders beeindruckend war die Solidarität der Leute vor Ort, die dankbar sind für jede Unterstützung gegen eine Atompolitik, von der sie sich seit Jahren einfach nur betrogen fühlen. Wir kommen in 3 Jahren gerne wieder!

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