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Unsere Meinung zum Brexit

Saturday, 25.June 2016 von in Unsere Meinung zu...

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Unsere Meinung zum Brexit

Gerrit Steffens (Vorsitzender Jusos Kreis Stade):

Mich hat der Ausgang des Referendums sehr überrascht und, mit Hinblick auf die Entstehungsgeschichte, auch entsetzt.

Aus einem parteiinternen Machtspiel heraus, wurde es von David Cameron angesetzt und unter anderem von seinen Parteikollegen*innen zu einer Schlammschlacht ausgeweitet.

Als einzigen Lichtblick sehe ich hier den Umstand, dass das Volk befragt wurde und dessen Wille entschied, nicht der von Politikern*innen und Lobbyisten*innen.

Allerdings wurden, in einem sehr emotional geführten Wahlkampf, Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt, was eine tiefe Kluft durch das britische Volk gerissen hat, wie das Ergebnis deutlich macht.

Und nun steht vielleicht sogar der Zerfall Großbritanniens ins Haus, Schottland will erneut ein Unabhängigkeitsreferendum anstreben, in Nordirland wird laut über eine Wiedervereinigung mit der Republik Irland nachgedacht und sogar in Gibraltar wird ein Anschluss an Spanien zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen.

Dies sind, meiner Ansicht nach, durchaus absehbare Folgen für den Fall einer Brexit-Entscheidung gewesen, Folgen für die man sich im Laufe des Wahlkampfes, allen voran im Brexit-Lager, nicht sonderlich interessierte.

Vielmehr stritt man sich über angebliche Verbotsüberlegungen von Wasserkochern und erhitzte die Gemüter mit absurden Weltuntergangsszenarien durch Überfremdung und das, durchaus gewollte, kalkulierte Schüren von Hass.

Letztlich sollten nun im Rahmen der Austrittsverhandlungen Mittel und Wege gefunden werden, die beiden Seiten wirtschaftliche und ganz besonders soziale Stabilität garantieren, denn das Erstarken von Rechtspopulisten in ganz Europa, die nun auf den „Domino-Effekt“ hoffen, ist nicht erst seit vergangenem Freitag zu beobachten.

Ich bedauere den Ausgang des Referendums und hoffe, dass die offengelegten Konfliktlinien in der britischen Bevölkerung schnell ausgemerzt werden und die EU dies als Anlass sieht sich zu reformieren, insbesondere im Hinblick auf soziale Angelegenheiten.

Brexit-Flagge

Wir sagen NEIN! zur Vorratsdatenspeicherung

Monday, 22.June 2015 von in Unsere Meinung zu...

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Am 20.06.2015 entschied der SPD-Parteikonvent die Vorratsdatenspeicherung (VDS) auf Bundesebene mitzutragen.

Wir Jusos im Kreis Stade lehnen diese jedoch weiterhin wehement ab.

Warum? Auf diese Frage geben wir gerne einige Antworten:

 

Gerrit Steffens (Vorsitzender Jusos Kreis Stade):

Ich bin gegen die Vorratsdatenspeicherung. Wir stehen vor der Frage, wie der Spagat zwischen Sicherheit und individueller Freiheit gelöst werden kann. Die VDS soll des Rätsels Lösung sein, blendet aber den Punkt der individuellen Freiheit gänzlich aus. Alle Verbindungsdaten würden gesammelt; Internet, Telefon und Handy, jeder hier getätigte Schritt würde überwacht – der gläserne Bürger wäre nicht mehr weit – alle Bürgerinnen und Bürger stünden unter Generalverdacht. Niemand will diesen Preis für die vermeintliche Sicherheit zahlen, die die VDS zwar verspricht, nachgewiesenermaßen aber nicht bietet. Dennoch ist man der Meinung allen Bürgerinnen und Bürgernn diesen Preis zumuten zu können.

Lüder Haack (AG Buxtehude):

Ich bin gegen die Vorratsdatenspeicherung, da sie das Recht auf ein selbstbestimmtes und privates Leben unverhältnismäßig einschränkt und ein Gefühl der ständigen Überwachung mit sich bringt.

Laura Baumgarten (AG Stade):

Ich bin gegen die VDS, weil die “Massenüberwachung (Hülsmann)” unsere Freiheiten massiv einschränkt, sowie jeden Menschen unter Generalverdacht stellt und somit die “Unschuldsvermutung” umgekehrt wird.

Arne Zillmer (stellv. Landesvorsitzender Jusos Niedersachsen):

Die Vorratsdatenspeicherung stellt einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte dar. Ihre Wirkungslosigkeit zeigte sich dabei bereits in der Vergangenheit. Während Verbindungsdaten in Deutschland 2009 auf Vorrat gespeichert wurden, stieg die vorher hohe Aufklärungsquote von ca. 80% nicht, sie ging sogar leicht zurück. Doch statt sich mit sachlichen Argumenten auseinanderzusetzen, wurde die Diskussion unnötigerweise mit Personalfragen und der angeblich gefährdeten Regierungsfähigkeit verknüpft, womit die Glaubwürdigkeit der SPD stark gelitten haben dürfte. Denn am vergangenen Samstag hätte die SPD beim Parteikonvent die Gelegenheit gehabt, sich den Wählerinnen und Wählern als Partei der Freiheit zu zeigen. Diese Chance wurde verpasst.

Kenneth Nygaard (stellv. Vorsitzender Jusos Kreis Stade):

Ich bin gegen die VDS, weil sie strafrechtlich sinnlos ist und ein Stück unserer vielzitierten Freiheit abträgt.

Michael Meyer (Vorsitzender Jusos Buxtehude):

Ich bin gegen die VDS, weil der Staat keinen ungefragten Einblick in meine Privatsphäre haben soll – auch wenn ich online bin, hat er kein Recht, jeden meiner Schritte zu überwachen.

Alexander Piehl (Geschäftsführer im Bezirk Nord-Niedersachsen):

Ich bin gegen die VDS, weil das ansatzlose Speichern von Verbindungsdaten und Standortdaten in keinem Verhältnis zum eigentlichen Nutzen steht. Mit dem Sammeln dieser Daten werden alle unter Generalverdacht gestellt und eklatant unsere Grundrechte eingeschränkt.

Alexandra Popilar (AG Buxtehude):

Ich bin gegen die VDS, weil sie einen ungerechtfertigten Eingriff in die Privatsphäre des Menschen darstellt und Sicherheit nicht auf Kosten der Freiheit gewonnen werden darf.

Keine Bühne der AfD!

Wednesday, 25.February 2015 von in Antifa, Feminismus & Queer

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Am 26. März plant der AfD Kreisverband Stade im Buxtehuder Kulturforum einen Vortragsabend mit der Europaabgeordneten Beatrix von Storch. Wir wollen eine Veranstaltung mit derart reaktionärem Charakter nicht einfach so hinnehmen und rufen deshalb zu einer Kundgebung gegen Rassismus, Homophobie und die AfD auf!

26.3., 18 Uhr, Hafenparkplatz (Schützenhofweg/Am Hafen)

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Homophobie ist besorgniserregend

Friday, 30.January 2015 von in Feminismus & Queer

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Am vergangenen Samstag, dem 24.01.15, rief das Bündnis „Besorgter Eltern“ in Hamburg zu einer Demonstration gegen Aufklärung von Kindern an Schulen und über Homosexualität auf. An der daraufhin organisierten Gegenkundgebung nahmen auch die Jusos im Kreis Stade teil. (more…)

Jusos und Grüne Jugend kritisieren Junge Union

Thursday, 15.December 2011 von in Antifa

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Die Grüne Jugend und die Jusos im Landkreis Stade kritisieren den „Aktionstag gegen Extremismus“ der Jungen Union. Vor dem Hintergrund der kürzlich aufgedeckten Morde der Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ hatte die JU bundesweit einen Aktionstag unter dem Motto „Jeder Extremist ist Mist“ angekündigt, durch welchen man sich mit den Opfern und Angehörigen solidarisieren und sich gegen jeden Extremismus aussprechen wolle. Daher hatte die JU Stade ebenfalls einen Stand für den vergangenen Samstag in der Stader Innenstadt angekündigt.

„Tatsächlich betreibt die Junge Union damit jedoch Werbung für die Extremismusklausel der schwarz-gelben Bundesregierung“, so die Sprecherin der Grünen Jugend, Carolin Neumann. Auch Arne Zillmer, Unterbezirksvorsitzender der Jusos, kritisiert die Aktion der JU: „Der Sammelbegriff Extremismus und die Gleichsetzung von links und rechts sind mehr als problematisch und verneinen völlig, dass es schwerwiegende Unterschiede zwischen linker und rechter Gewalt gibt, das zeigen die Morde der braunen Terrorgruppe auf tragische Weise. Es wurden jedoch auf Grund der Gleichmacherei der Bundesregierung durch die Familienministerin Kristina Schröder sogar massive Kürzungen im Kampf gegen rechte Gewalt vorgenommen.“

Grüne Jugend und Jusos betonen, dass seit 1990 ca. 180 Menschen durch die Gewalttaten von Neonazis ums Leben gekommen seien, gleichzeitig jedoch „kürzt die Bundesregierung die Mittel und die Junge Union fordert eine stärkere Fixierung auf Linksextremismus. Das geht völlig an der politischen Realität vorbei“, so Neumann. Zillmer ergänzt: „Die Gefahr für unsere Demokratie und Freiheit geht nicht nur von den angeblichen extremistischen Rändern der Gesellschaft aus, sondern kommt auch vermehrt aus der Mitte. Ausländerfeindliche Ressentiments und rechtes Gedankengut finden Unterstützung in weiten Teilen der Bevölkerung, das beweisen diverse Studien.“ Dies verkenne die JU mit ihrem Extremismusbegriff völlig, so Zillmer weiter, der Aktionstag der JU ginge daher am Thema vorbei.

Jusos und Grüne Jugend fordern die Junge Union weiterhin dazu auf, sich konsequenter gegen rechtes Gedankengut zu engagieren. In den vergangenen Jahren hat es im Landkreis Stade verschiedene Bündnisse und Initiativen gegen Neonazis und rechte Gewalt gegeben. „Bei allen Aktionen der vergangenen Jahre, so z.B. bei Stade stellt sich quer, suchte man die Junge Union allzu häufig vergebens“, so Neumann.

Stellungnahme zu unseren Protesten gegen die NPD im Stader Kreistag

Sunday, 6.November 2011 von in Antifa, News

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Wir haben uns dazu entschlossen, bei der Eröffnung des Stader Kreistags am 7. November eine Mahnwache gegen Rassismus und Demokratiefeindlichkeit zu machen. Der Kreistag wird traditionsgemäß vom ältesten Ratsmitglied eröffnet, unglücklicherweise handelt es sich dabei um Adolf Dammann, Mitglied der NPD. Dies können wir nicht unkommentiert hinnehmen und wollen daher unseren Unmut zum Ausdruck bringen.

Die NPD ist eine rechtsextreme Partei, sie vertritt menschenverachtende rassistische Positionen und arbeitet eng mit gewaltbereiten Neonazis zusammen. Es ist an sich schlimm genug, dass sie wieder im Kreistag vertreten ist, schon allein dagegen wollen wir heute protestieren. Unserer Meinung nach sollte viel mehr im Kampf gegen rechtes Gedankengut unternommen werden, ein Sitz für die NPD ist kein Zustand, mit dem man sich abfinden sollte, dagegen muss in Zukunft etwas getan werden. Doch wenn dann noch die Eröffnung von ihrem Abgeordneten vollzogen wird, dann sehen wir erst recht Handlungsbedarf.

Mehr noch, wir sehen es geradezu als unsere Pflicht an, gegen braune Umtriebe vorzugehen. Denn es handelt sich eben nicht nur um ein paar Ewiggestrige, die man getrost ignorieren könnte, ganz im Gegenteil. Rassistische, antisemitische und sozialchauvinistische Vorurteile durchziehen weite Teile unserer Gesellschaft und wurden leider gerade in letzter Zeit noch populärer. Dem gilt es sich entschieden entgegenzustellen, wozu wir alle Bürgerinnen und Bürger aufrufen möchten.

Nun werden einige sagen, wir hätten einfach nichts tun sollen, schließlich sei der Abgeordnete demokratisch gewählt und es seien ja eh nur ein paar Formalien, nichts inhaltliches. Manche werden vielleicht auch sagen, wir würden ihm so nur unnötige Aufmerksamkeit verschaffen und hätten darum lieber keine Gegenaktion machen sollen.

All jenen, die so denken, sei ein Blick in ein gutes Geschichtsbuch empfohlen, denn diese Argumente lassen sich leicht widerlegen. Die Geschichte Deutschlands lehrt uns, dass Schweigen immer auch Zustimmung bedeutet. Wir aber wollen nicht schweigen, wenn in unseren Parlamenten Mitglieder von demokratiefeindlichen Parteien ungestört reden können, egal worum es geht. Wir wollen nicht tatenlos zusehen, wenn jene, die Rassismus und Nationalismus propagieren, Öffentlichkeit bekommen und sich als die „netten Biedermänner“ darstellen können, die sie eben nicht sind. Mag sein, dass die ganze Angelegenheit so noch zusätzlich Aufmerksamkeit bekommt, doch genau das ist unser Ziel. Wir wollen mit unserem Protest verdeutlichen, dass die NPD in keinster Weise eine ganz gewöhnliche Partei ist, wie die anderen im Rat, sondern für radikalen Rassismus, Sexismus und Antisemitismus steht. Öffentlichkeit hätte Dammann durch die Eröffnung ohnehin bekommen, doch unkommentiert wollen wir diesen Missstand nicht lassen.

Nazis raus – aus den Köpfen und den Parlamenten! Nie wieder Faschismus!

Jusos Stade

Mahnwache ab 8:30h vor dem Kreistagsgebäude am Sande

Links ist gleich rechts und 2+2=5

Monday, 22.August 2011 von in Antifa, News

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Sicher kennst du diese Sätze auch, egal ob sie von großen Boulevardblättern, konservativen Politikern oder deiner Oma kommen, sie alle wettern gegen die „linken Randalierer“, die auch nur „rote Faschisten“ seien, ohnehin seien ja die linken Autonomen eine viel größere Bedrohung als die paar ewiggestrigen Nazis. Du denkst dann vielleicht an die Bilder vom 1. Mai, an Griechenland oder auch an Stuttgart 21 und stimmst diesen Aussagen zu, ohne weiter drüber nachzudenken. Links ist gleich rechts, du eher so mittig und gut ist.

Ganz so einfach ist es aber nicht, das wollen wir im Folgenden verdeutlichen. Leute die so argumentieren, ziehen meist die Extremismustheorie heran, welche das Verhältnis der politischen Extreme zur Mitte der Gesellschaft als Hufeisen-Modell darstellt: Demnach, so die Vertreter dieser Theorie, sei die Gesellschaft wie ein Hufeisen aufgebaut, der extreme linke und rechte Rand bedrohen die „demokratische Mitte“ gleichermaßen, daher müsse sich die Demokratie „wehrhaft“ zeigen und die Ränder bekämpfen. Links- und Rechtsextremismus seien im Prinzip „wesensgleich“ und stellen beide eine gleich große Bedrohung für die Demokratie dar. Vereinfacht dargestellt kommen dann eben solche Aussagen wie die obigen zustande.

Wir stellen uns gegen diese Gleichsetzung und halten sie für mehr als bedenklich, denn die Realität sieht ganz anders aus. Dabei wollen wir keinesfalls irgendetwas relativieren oder beschönigen, wir wollen bloß auf die Fakten hinweisen. Neonazis sind Anhänger einer menschenverachtenden und rassistischen Ideologie, welche Gewalt gegen Minderheiten und alle Andersdenkenden verherrlicht und rechtfertigt. Seit 1990 wurden in Deutschland 150 Menschen von Nazis getötet oder in den Tod getrieben, diese erschreckende Zahl lässt sich durch nichts verharmlosen und ist traurige bundesdeutsche Realität. Diese 150 Menschen starben, weil sie als „unwertes Leben“ angesehen wurden und nicht in das beschränkte Weltbild der rechten Mörder und Totschläger passten. Die Konsequenz rechter Ideologie ist immer auch Gewalt.

Nun mag manch eine_r dies als die Taten von Einzeltätern abtun, schlimm zwar, aber für die Demokratie und unseren Staat nicht weiter gefährlich. Tatsächlich jedoch ist das Bedrohungspotential von rechts für unsere „demokratische Mitte“ viel größer, da diese sehr anfällig für rechtsextremes Gedankengut ist, schlimmer noch, dieses ist fest in ihr verwurzelt. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt die schockierende Realität: Fast ein Viertel aller Deutschen hegt antisemitische Vorurteile, antimuslimische Ressentiments teilen mehr als die Hälfte und ca. 10% der Menschen in diesem Land haben ein geschlossen rechtsextremes Weltbild. Das ist nicht der Rand der Gesellschaft, das ist die Mitte!

Rassistische und sozialchauvinistische Vorurteile sind fest in den Köpfen verankert und ebnen rechter Gewalt den Weg. Das sah man am deutlichsten im August 1992 in Rostock-Lichtenhagen, wo eine Meute von dutzenden Neonazis versuchte Asylbewerber zu verbrennen, während hunderte Anwohner daneben standen, Beifall klatschten und Polizei und Feuerwehr aufhielten. Es zeigt sich mehr als deutlich, wozu rassistisches Gedankengut führen kann.

Dieses Gedankengut darf unter keinen Umständen verharmlost werden, genau das aber bewirkt die Gleichsetzung von Links- und Rechtsextremismus. Es wird einfach nicht beachtet, dass rechte Gewalt eine ganz andere Qualität hat und mit nichts zu vergleichen ist.

Linksextreme Gewalt hat einen ganz anderen Ursprung und richtet sich „gegen das System“, welches an sich „strukturell gewalttätig“ sei. Wir möchten betonen: Entglaste Bankfilialen, zerstörte Nobelautos und angezündete Mülltonnen bringen gar nichts, sondern sind das Ergebnis einer verkürzten personalisierten Kapitalismuskritik, die soziale Ungerechtigkeiten an einzelnen Personen oder Institutionen festmacht. Das ist nicht nur sehr kurz gedacht, sondern gleitet allzu oft ab in gefährlich einfache Denkmuster. Doch linksextreme Militanz richtet sich eben überwiegend gegen leblose Gegenstände, Gewalt gegen Menschen – auch Polizisten – wird in großen Teilen der Szene nicht akzeptiert, ganz anders dagegen in der rechten Szene.

Ohnehin sollte der Extremismus-Begriff mehr als kritisch betrachtet werden, er ist weder wissenschaftlich noch rechtlich haltbar und ist letzten Endes eine konstruierte Grenze, die festlegt was angeblich „normal“ und was „extremistisch“ ist. Alles, was in irgendeiner Weise von der Norm abweicht, wird in einen Topf geworfen und kriminalisiert. Durch diese Gleichmacherei wird jede Form von Protest und Aktionismus unter Generalverdacht gestellt.

Wenn schon „Extremismen“ vergleichen, dann dort wo es Sinn macht. So gibt es viele Parallelen zwischen Neonazis und Islamisten, beide teilen eine rückständige Weltanschauung und dieselben Feindbilder: Demokraten, Menschenrechtler, Linke, homosexuelle Menschen, Israel. Beide lehnen Fortschritt und Emanzipation ab und sehen Gewalt gegen Andersdenkende als legitim an, nicht umsonst solidarisieren sich viele Neonazis mit islamistischen Attentätern und ihrem „Befreiungskampf“.

Wohin diese Gleichmacherei von Links- und Rechtsextremismus im schlimmsten Fall führt, wird von unserer aktuellen schwarz-gelben Bundesregierung und der Familienministerin Kristina Schröder demonstriert: Das Budget im Kampf gegen, wohlgemerkt, jede Form von Extremismus wurde gekürzt, so mussten sinnvolle und notwendige Projekte gegen Neofaschismus und rechte Gewalt eingestellt werden. Selbst friedlicher bürgerlicher Protest wird kriminalisiert und übertriebene Repression und Überwachung nimmt zu (Dresdner Datenskandal). Dagegen gibt es Regionen in Deutschland, in denen geradezu eine rechte Hegemonie vorherrscht, Neonazis voll und ganz akzeptiert sind und antifaschistisches Engagement dringend Unterstützung bräuchte.

Gewalt ist nie gutzuheißen, daran gibt es nichts zu rütteln. Doch linke und rechte Gewalt auf eine Stufe zu stellen relativiert die allgegenwärtige Bedrohung von rechts, die mit nichts zu vergleichen ist, und beschönigt die derzeitige gesellschaftliche Stimmung, in der solche Vorurteile auf immer breitere Zustimmung treffen. Die Extremismustheorie ist daher kein Schutz der Demokratie, ganz im Gegenteil, sie schadet der Demokratie nur. Friedlicher Antifaschismus ist eine Notwendigkeit, es gilt konsequent gegen rassistische und andere rechte Vorurteile, die in allen Gesellschaftsschichten verankert sind, vorzugehen.

Wir stellen uns gegen Alltagsrassimus, Neonazis und die Extremismustheorie!

„Die Seife unter der Dusche“: Homophobie und Rollenbilder im Fußball

Thursday, 16.June 2011 von in Feminismus & Queer, News, Themen

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Derzeit wird viel über das Thema Homophobie im Fußball gesprochen, was wir an sich sehr begrüßen. Es ist schließlich schon ein Fortschritt, wenn plötzlich mal über schwule Bundesligaprofis und homophobe Einstellungen bei Mitspielern und Fans diskutiert und nachgedacht wird. Nur wie darüber gesprochen wird, ist unserer Meinung nach nicht sehr förderlich, eher im Gegenteil. Da äußern sich reihenweise Prominente, Fußballfunktionäre und Spieler und meinen zu wissen, wie sich homosexuelle Fußballer zu verhalten hätten, nämlich unbedingt unauffällig, da auf sie sonst zahlreiche Vorurteile und Provokationen zukommen würden. Sie wären dann den Schmähgesängen der gegnerischen Fans ausgesetzt und würden auch von den eigenen Mitspielern nicht akzeptiert werden, so jedenfalls der allgemeine Kanon.

Aber über das eigentliche Problem an sich und die Ursachen wird kaum geredet, über Lösungsansätze scheint sowieso fast niemand nachzudenken. Nun hat die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Studie zu genau diesem Thema veröffentlicht, womit auch ein tieferer Einblick in diesen unschönen Teil der Fußballwelt möglich ist.

Die Studie zeigt vor allem eins, nämlich wie stark traditionelle Rollenbilder immer noch in unserer Gesellschaft verankert sind und wie wenig die Menschen bereit sind, von diesen abzuweichen. Dabei wird auch deutlich, wie zerbrechlich diese Vorstellungen von angeblich typischen Geschlechtereigenschaften sind. Schwitzende, durchtrainierte Männer, die sich beim Torjubel in die Arme fallen, vor Freude weinen und danach alle zusammen duschen, das funktioniert nur, solange sich alle Beteiligten ihrer Männlichkeit und Heterosexualität sicher sein können. Nur dann fühlen sie sich wohl und müssen sich nicht mit jenen befassen, die von ihren Vorstellungen abweichen.

Denn ein schwuler Mitspieler würde ihrer Meinung nach alles durcheinanderbringen, auf jeden Fall dieses fragil konstruierte Geschlechterbild, wenn nicht sogar den Zusammenhalt der ganzen Mannschaft. Homosexuelle Menschen „passen da einfach nicht rein“, das gaben zahlreiche der Befragten in der Studie an, auch das Klischee von der heruntergefallenen Seife unter der Dusche wurde oftmals erwähnt.

„Schwul sein“ wird gleichgesetzt mit „anders“, da Homosexuelle vom klassischen Rollenbild abweichen. Schwulen Männern wird häufig Weiblichkeit, Schwäche und Emotionalität nachgesagt, hier wird das bipolare Geschlechterbild wiedergegeben, es müsse eben immer einen weiblichen Part in einer Beziehung geben. Damit könnten sie nicht in der harten Männerwelt des Fußballs bestehen, Fußball, das sei eben noch die letzte Bastion der Männlichkeit, da treffen sich angeblich nur die echten Kerle. Für den Großteil der Befragten passt da ein bekennender Schwuler nicht rein.

Jedoch sind nicht nur Homosexuelle den starren Vorurteilen ausgesetzt, auch Frauen haben es im Fußball mehr als schwer. Hier kommen die typischen Rollenbilder ebenfalls zum Vorschein, alles Weibliche müsse irgendwie auch ästhetisch sein, deutlich wird dies z.B. an der aktuellen Werbekampagne zur Frauen-WM. Muskulöse oder sportliche Frauen, „das sieht irgendwie nicht aus“, so die Befragten, außerdem sei Frauenfußball etwas „ganz anderes, ein ganz anderes Spiel“, richtigen Fußball spielten scheinbar nur Männer.

Eben diese haben eine unglaubliche Angst davor, als unmännlich zu gelten. Spielten sie mit einem Homosexuellen Fußball, dann wäre der kumpelhafte Umgang in der Mannschaft gefährdet, gemeinsames Duschen dann schon gar nicht mehr möglich, der schwule Mitspieler könne ja an jedem interessiert sein. Womit wir wieder bei der Seife und dem billigen Klischee vom dauererregten Schwulen sind.

Zudem glauben viele, unter dem unglaublichen Leistungsdruck der oberen Ligen könnten nur „die ganz Harten“ bestehen, auch deshalb sei Profifußball nichts für jene Menschen, die von diesem Ideal abweichen, egal ob nun beispielsweise homosexuell oder auch depressiv.

Fußball an sich ist aber keinesfalls irgendwie intoleranter als der Rest der Gesellschaft, jedoch kommen hier Vorurteile und auch offene Homophobie viel schneller zum Vorschein. Das zeigt sich nicht nur an den Befragten der Studie, sondern auch durch schwulen- und frauenfeindliche Sprechgesänge mancher Fangruppen, die sich stark und martialisch zeigen wollen. Auch Ansätze zur Gewinnung von Frauen als neue Zielgruppe enden allzu häufig in stumpfen sexistischen Äußerungen („Das Grüne da unten, liebe Frauen, ist der Rasen.“), außerdem wird Stadionbesucherinnen oft einfach nur Schwärmerei für einen bestimmten Spieler vorgeworfen.

Keinesfalls jedoch darf bei der Thematik nur pauschalisiert werden, schließlich gibt es auch viele positive Entwicklungen von Fans, die sich gegen homophobe und sexistische Vorurteile stellen. Die Zahl der schwul-lesbischen Fanclubs wächst, es gibt gelungene Faninitiativen und abgesehen vom großen kommerziellen Fußballzirkus gibt es beispielsweise auf Kreisebene durchaus Spieler, die sich zu ihrer Sexualität bekennen können.

Es ist und bleibt jedoch ein untragbarer Zustand, wenn Menschen ihre sexuellen Vorlieben nicht offen ausleben können, egal ob auf der Straße, in der Kneipe oder im Stadion. Wir meinen, dagegen kann jeder selbst etwas unternehmen, es bedarf nur ein wenig Courage und der richtigen Argumente. Wo immer man auf homophobe und sexistische Klischees stößt, egal ob leise hinter vorgehaltener Hand im Supermarkt getuschelt oder laut im Stadion mitgegrölt, gilt es einzuschreiten und klarzumachen, dass das auf gar keinen Fall besonders cool, witzig oder männlich ist. Nur so kann es überhaupt gelingen, die starren Rollenbilder mal etwas ins Wanken zu bringen und allen Menschen eine freie Entfaltung ihrer Sexualität zu ermöglichen. Außerdem müssen sich die großen Fußballverbände klarer positionieren und diskriminierende Äußerungen strenger ahnden, mehr Druck von progressiven Fans ist unbedingt nötig.

Damit Fußball wirklich verbindet und nicht ausgrenzt! Dann ist vielleicht auch bald die Seife endlich kein Thema mehr.

Ludendorffern entgegentreten!

Tuesday, 19.April 2011 von in Antifa, News, Themen

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Seit nun mehr als dreißig Jahren trifft sich der „Bund für (deutsche) Gotterkenntnis“ (Ludendorffer) alljährlich im niedersächsischen Dorfmark.
Bei den „Ludendorffern“ handelt es sich um eine völkische, rassistische und antisemitische Weltanschauungsgemeinschaft. Sie basiert auf den Schriften von Mathilde Ludendorff, Ehefrau des Hitlerputschgefährten Erich Ludendorff. Die „Ludendorffer“ teilen Menschen in „Licht- und Schachtrassen“ und nach ihrer Theorie führt „Rassenmischung zum Volkstod“. Außerdem heißt es in den Schriften Ludendorffs, dass „das deutsche Volk“ durch Kommunismus, Freimaurer- und Christentum „entwurzelt, so dass Juda leichtes Spiel hat“. Die „jüdische Schachtrasse“ schädige über „verjudete christliche Erziehung“ deutsche Kinder. Dagegen müssten die „Lichtrassen“ mit ihrem „Recht des Stärkeren“ vorgehen. Bei so einem offenem Antisemitismus und Rassismus verwundert es auch nicht, dass die Treffen auch Freie Kameradschaften und „Autonome Nationalisten“ anziehen.

Trotz dieser bekannten Fakten sind die „Ludendorffer“ bei vielen DorfmarkerInnen ein gern gesehener Gast. Sie bringen nicht nur Geld in die Kassen vom Hotel „Deutsches Haus“, sondern auch in die der meisten Privatpensionen. So äußerte sich 2008 Ingrid Koch, Managerin des „Deutschen Haus“ mit den Worten „Für uns sind die gern gesehene Gäste“.

In den letzten Jahren gab es erstmals Protest von AntifaschistInnen, unterstützt wurde dieser von TeilnehmerInnen des „Internationalen Jugendworkcamps Bergen Belsen“. Im Zuge dessen, kam es 2008 zu rassistischen Beleidigungen wie „Schade, dass die Nazis nicht mehr am Ruder sind“ von DorfmarkerInnen. Die Polizei, sowie Lokalpresse, verharmlosten die Beleidigungen als „Unmutsäußerungen gegen Demonstranten“. Durch die Beleidigungen kam es zu überregionalen Presseberichten, dadurch sah sich die Lokalpolitik im Zugzwang und es bildete sich 2009 ein von der Stadt initiiertes „Bündnis gegen Extremismus“, dieses wurde aber nicht gegen den „Bund für (deutsche) Gotterkenntnis“ tätig, sondern begnügte sich mit einem Sportturnier für Toleranz und einer Ausstellung über rechte Jugendkulturen.

Auch in diesem Jahr will der „Bund für (deutsche) Gotterkenntnis“ am Osterwochenende wieder seine Tagung im Hotel „Deutsches Haus“ in Dorfmark mit ca. 100 TeilnehmerInnen abhalten. Da auch in diesem Jahr davon auszugehen ist, dass die Beteiligung von DorfmarkerInnen an antifaschistischen Protesten sehr gering ausfällt, ist es umso wichtiger, dass auch von außerhalb gezeigt wird, dass in der „dörflichen Idylle“ kein Platz für Rassismus, Antisemitismus und Verschwörungstheorien ist.

Wir als Jusos bekämpfen Rassismus und Antisemitismus konsequent und friedlich. Aus diesem Grunde ist es für uns selbstverständlich, am 22.04.2011 nach Dorfmark zu fahren und uns den “Ludendorffern” entgegenzustellen.

Für eine antifaschistische Landpartie! Den Ludendorffern Ostern versauen!

Quelle:  http://dorfmark.tk/