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Gedenken an Opfer in Norwegen

Thursday, 28.July 2011 von

News

 

Mit einer kleinen Mahnwache auf dem Pferdemarkt haben wir am vergangenen Montag den Opfern der Anschläge in Norwegen gedacht. Zusammen mit ca. zwei Dutzend weiteren Menschen trauerten wir um die Verstorbenen und schickten ein Zeichen der Solidarität zu unserer norwegischen Schwesterorganisation. Die von uns gehaltene Rede möchten wir hier im Wortlaut dokumentieren:

“Wir haben uns heute hier versammelt, um unserer tiefen Trauer Ausdruck zu verleihen. Wir trauern um die Opfer der Anschläge in Norwegen, bei denen so viele unschuldige junge Menschen ums Leben kamen. Diese Tat macht fassungslos, es ist unvorstellbar, was vergangenen Freitag in Oslo und auf der Insel Utoya passierte.

Der rechtsradikale Attentäter Anders Breivik zündete erst im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt eine Autobombe, dann fuhr er zu jener kleinen Insel. Als Polizist verkleidet richtete er dort im Ferienlager der norwegischen Jungsozialisten ein grausames Massaker an und tötete 85 unserer Genossinnen und Genossen, bevor er festgenommen werden konnte.

Später wurde bekannt, dass Breivik diesen Massenmord als eine Art Marketing-Aktion für seine Ideologie nutzte, er wolle Europa vor Islamisten, Humanisten und Marxisten retten.

Nun meinen einige, dass es sich um die Tat eines wahnsinnigen Einzeltäters handelte. Das an sich mag zwar stimmen, doch die Ideologie und der Hass, die hinter der Tat standen, dürfen keinesfalls ausgeblendet werden. Anders Breivik war über Jahre Mitglied einer rechtspopulistischen Partei in Norwegen, einer sehr erfolgreichen und in der Gesellschaft etablierten Partei. Eine von jenen rechtspopulistischen Parteien, die derzeit überall in Europa aufkommen und eine Geisteshaltung repräsentieren, die weit verbreitet ist. Viele Menschen teilen die paranoide Angst vor dem Islam, sie wollen keine multikulturelle Gesellschaft und sehen Europa in gefährlichem Maße überfremdet, ja einige sprechen sogar davon, dass Deutschland sich selbst abschaffe.

Unsere norwegischen Genossinnen und Genossen sind von diesem grausamen Attentat betroffen, weil sie an eine tolerante und multikulturelle Gesellschaft glaubten. Doch das Attentat richtet sich genauso auch gegen uns. Denn auch wir teilen eben diese Ideen und diese Vorstellung von einem idealen Zusammenleben aller Menschen. Und wir werden diese Idee nicht aufgeben, ganz im Gegenteil.

Denn so ein grausames Attentat muss politische Konsequenzen haben. Das sehen wir als unsere Verpflichtung gegenüber den Opfern und Angehörigen an. Es bestärkt uns in unserer Meinung und wir werden auch weiterhin konsequent gegen jede Form von Rechtspopulismus oder Rechtsextremismus vorgehen. Auch deshalb haben wir uns heute hier versammelt, um ein Zeichen zu setzen gegen diese Geisteshaltung.

Wir glauben nun mehr denn je, dass unser Ziel eine friedliche und tolerante Gesellschaft sein muss. Der Glaube an dieses Ziel ist stärker als der Hass des Attentäters.”

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