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Hamburg, 2. Juni 2012: Keine Zukunft für Nazis

Wednesday, 6.June 2012 von

News

Für den 2.6.2012 hatten Neonazis einen Aufmarsch in Hamburg unter dem Motto „Tag der deutschen Zukunft – Unser Signal gegen Überfremdung“ angekündigt. Der „Tag der deutschen Zukunft“ ist ein überregionaler Aktionstag, an dem Freie Kameradschaften und die NPD gemeinsam rassistische und fremdenfeindliche Hetze verbreiten wollen und sich scheinbar sehr besorgt um die Zukunft Deutschlands geben, umso auch beim Alltagsrassismus der Mitte zu punkten.

Zig Gruppen, Parteien und Gewerkschaften riefen zum Gegenprotest gegen die Nazidemonstration auf. Da Hamburg ja quasi direkt vor der Haustür liegt, war auch für uns Jusos aus dem Landkreis Stade klar, dass wir uns an diesen Protesten beteiligen wollen. Dabei wollten wir jedoch nicht nur ein paar bunte Luftballons halten und ab und zu mal Beifall klatschen, für uns stand von Anfang an fest: Wir wollen die friedlichen Sitzblockaden gegen die Neonazis unterstützen. Nach Dresden und Neumünster ging es nun also nach Hamburg.

Der Wecker klingelte viel zu früh. Schnell unter die Dusche, kurz was gegessen, die Karte mit der Naziroute ausgedruckt und ab ging es. Mit unserer Gruppe schlossen wir uns dann einem größeren Treck Gegendemonstranten_innen an und versuchten, zur Marschroute der Neonazis zu gelangen.

Wenig später saßen wir auch schon und gönnten uns bei Sonnenschein und feinsten Technobeats vom Lautsprecherwagen ein Eis und verfolgten über den Ticker die Ereignisse an anderen Orten. Nach ca. 2 Stunden kam jedoch die Meldung, dass die Nazidemo eine neue Route bekommen hatte und die Nazis nun marschieren konnten. Also wieder von vorne.

Am Ende kamen die Nazis jedoch nicht allzu weit und wurden bald in eine S-Bahn verfrachtet. Insgesamt also ein erfolgreicher Tag, die Nazis konnten auf Grund der massenhaften Blockaden nur mit großer Verspätung eine verkürzte Alternativroute laufen und hatten sicherlich dank beispielsweise Eier werfenden Anwohnern_innen nicht wirklich Spaß. Ohnehin sehr erfreulich, wie sehr die Menschen, die direkt an der Naziroute wohnen, unser antifaschistisches Anliegen mit Spruchbändern und anderen Solidaritätsbekundungen unterstützten.

Kritisch zu sehen ist jedoch das Vorgehen der Polizei, dieses kann durchaus als skandalös bezeichnet werden. Zu keinem Zeitpunkt schien der Polizei an einer Deeskalation der Situation zu liegen. Von anderen Genossen_innen und Aktivisten_innen ist zu hören, dass die Polizei beispielsweise 5 Stunden lang friedliche Demonstranten_innen einkesselte, ohne Zugang zu sanitären Anlagen. Immerhin lieferte ein lokaler Pizzaservice in den Polizeikessel. An anderer Stelle ritt die Polizei mit Reiterstaffel in die Menge und setzte Schmerzgriffe gegen friedlich Sitzende ein. Überhaupt ist es absolut unverständlich, warum den Nazis eine alternative Route durch noch enger bebautes Wohngebiet angeboten und dann durch massiven Einsatz von Pfefferspray und Knüppeln freigeräumt wurde. Bei anderen Massenblockaden gegen Naziaufmärsche wurden diese schon wegen geringeren Gründen abgesagt, um verletzte Demonstranten_innen und Polizisten_innen zu vermeiden. Wenn nun noch öffentlich über eine Aufrüstung der Polizei mit Gummigeschossen diskutiert wird, dann werden aus vergangenem Samstag wirklich die ganz falschen Lehren gezogen.

Friedliche Blockaden gegen Neonazis und ihre Propaganda bleiben ein absolut legitimes Mittel. Wir wollen damit nicht die Grundrechte anderer Personen einschränken, im Gegenteil, wir bewahren diese vor ihrer Aufhebung. Wir reden hier schließlich nicht von irgendeiner Demonstration, wir reden von Faschisten_innen, welche die Abgründe der Menschheitsgeschichte lobpreisen und aus deren Reihen eine rechte Terrorgruppe, welche 10 Menschen das Leben nahm, hervorkam. So eine Ideologie muss blockiert werden, dies ergibt sich schon aus historischer Verantwortung.

Wir werden uns auch in Zukunft wieder den Nazis entgegenstellen bzw. -setzen!

 

 

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