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Interview zum Fussballturnier

Monday, 13.May 2013 von

News

Die Fan-Gruppe „Nordkaos“ vom Hamburger Regionalligisten SC Victoria Hamburg, die ebenfalls die Kampagne „Fußballfans gegen Homophobie“ unterstützt, hat uns für ihr Kurven-Fanzine zu unserem Fußballturnier befragt. Wir standen natürlich gerne Rede und Antwort und wollen euch das Interview nicht vorenthalten:

1: Hallo, stellt euch doch bitte erst mal vor.

Hallo! Wir sind die Jusos aus dem Landkreis Stade, also die JungsozialistInnen. Wir sind eine linke Jugendorganisation und unsere Mitglieder sind zwischen 14 und 35 Jahre alt.

2: Was macht ihr so, wenn ihr nicht gerade Fußballturniere organisiert?

Der Kampf gegen menschenfeindliche Einstellungen wie Rassismus, Sexismus oder Antisemitismus ist uns wirklich wichtig, dementsprechend machen wir viel in dem Bereich. Wir versuchen zum Beispiel, so viel Aufklärung wie möglich zu betrieben, sei es durch Flyer, Aufkleber oder kreative Aktionen auf der Straße. So haben wir beispielsweise letztes Jahr einen sehr gut besuchten Vortrag über rechte Gewalt und aktuelle Entwicklungen in der Neonaziszene gemacht oder versuchen, wo es nur geht gegen Rechts zu protestieren, also beispielsweise durch Gegenkundgebungen zu NPD-Wahlständen oder mit der Beteiligung an friedlichen Blockaden gegen Naziaufmärsche. Dann befassen wir uns auch viel mit Themen wie sozialer Gerechtigkeit, und Bildung. Natürlich setzen wir uns auch für Jugendliche vor Ort ein, indem wir eine Legal Wall zum Sprayen durchgesetzt haben, an der sich künstlerisch begabte Leute ganz legal austoben können. Außerdem machen wir logischerweise auch manchmal Wahlkampf, das gehört dazu, allerdings versuchen wir da dann auch, uns möglichst kritisch und kreativ einzubringen.

3: Wie seid ihr eigentlich auf die Idee gekommen so ein Turnier zu veranstalten?

Bei uns sind viele fußballbegeisterte Leute aktiv. Wir sind dann sehr schnell auf die Kampagne „Fußballfans gegen Homophobie“ aufmerksam geworden, deren Wanderbanner ihr ja auch schon im Stadion hattet. Zur EM 2012 hatten die Jusos dann auch einen Spielplaner zusammen mit der Kampagne raus gebracht, den wir auch bei uns in Stade verteilt haben. Irgendwie entstand dann die Idee, selbst mal mehr zu dem Thema zu machen und zu zeigen, dass ein anderer Fußball möglich ist. Da schien uns ein Fußballturnier gegen Diskriminierung genau der richtige Weg zu sein.

4: Was erwartet die Leute beim Turnier (natürlich neben Fußball)? Wer nimmt bisher alles Teil? Wird es auch inhaltliche Informationen geben?

Viel Spaß, nette Leute und eine entspannte, diskriminierungsfreie Atmosphäre. Es haben sich schon die verschiedensten Teams aus ganz unterschiedlichen Ecken angemeldet, es wird also eine bunte Mischung geben. Wichtig ist uns halt, allen mal einen Freiraum zu bieten, in dem sich alle Beteiligten wohlfühlen. Dazu wird es auch reichlich Infomaterial und kleine Redebeiträge geben. Geplant ist aber auch ein größerer Vortrag zu dem Thema, ob vor oder nach dem Turnier wissen wir aber noch nicht so genau.

5: Warum findet das Ganze eigentlich in Himmelpforten statt?

Das hat verschiedene Gründe. Einerseits gibt es hier und in der Umgebung sehr viele Kids, die an Fußball interessiert sind. Die wollen wir mal erreichen und dazu motivieren, bei diskriminierenden Sprüchen im Stadion oder dummen Witzen im Freundeskreis ruhig mal den Mund aufzumachen und was dagegen zu sagen. Andererseits hat das auch ganz praktische Gründe, Himmelpforten liegt im HVV-Bereich und die Halle ist leicht vom Bahnhof zu erreichen.

6: Ist Homophobie ein Thema, das im Fußball eine besondere Bedeutung hat? Wenn ja, habt ihr eine Erklärung dafür, warum es gerade in diesem Mikrokosmos eine solche Rolle spielt?

Homophobie ist im Fußball allgegenwärtig, leider. Das hängt sicherlich mit traditionellen Rollenbildern und bestimmten Vorstellungen von „Männlichkeit“ zusammen. Fußball wird als „harter Männersport“ gesehen, in dem angeblich nur „echte Kerle“ bestehen können. Homosexuelle Männer passen da nach Überzeugung vieler Fans, Funktionäre oder Spieler nicht rein, da sie als „schwach“ oder „weiblich“ angesehen werden. Muskelbepackte verschwitzte Spieler, die sich beim Torjubel in die Arme fallen, das funktioniert für viele nur, solange sie sich der vermeintlichen Heterosexualität aller Beteiligten sicher sein können. Unserer Meinung nach ist das alles natürlich völliger Quatsch und wir finden, solche Denkweisen gehören weder aufs Spielfeld, noch in die Köpfe.

7: In der NBA hat es letzte Woche das erste Coming-Out eines schwulen Spielers gegeben. Seid ihr der Meinung, dass der Fußball hier hinterher hinkt und Nachholbedarf hat? Was müsste konkret passieren?

Es wäre sicher sehr gut, wenn sich mal ein homosexueller Fußballprofi outen würde, das würde dann vielleicht mal ein Umdenken in Gang setzen und auch irgendwelchen homophoben Idioten zeigen, dass Homosexualität genauso zum Fußball gehört. Letztendlich muss man das den Betroffenen selbst überlassen, das ist ihre Entscheidung. Aber wir können alle zusammen, egal ob Queer-AktivistIn, Ultra oder JungpolitikerIn, aktiv für eine Gesellschaft kämpfen, in der Homosexualität schon bald überhaupt kein Tabu mehr sein wird.

8: Habt ihr abschließend noch eine Botschaft an unsere treuen LeserInnen?

Macht weiter so mit eurem großartigen Engagement und kommt gerne zu unserem Fußballturnier!

Foto: Nordkaos Hamburg

Foto: Nordkaos Hamburg

 

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