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Unsere Stellungnahme zum Thema Stundenerhöhung der gymnasialen Lehrkräfte

Wednesday, 1.January 2014 von

News

Hierzu ein Text von Johannes Hochhaus:

Diskussion nicht auf dem Rücken der Schülerschaft austragen!

Sowohl in den Medien als auch in den sozialen Netzwerken bestimmt in Niedersachsen zurzeit ein Thema die Gespräche: Die geplante Stundenerhöhung der gymnasialen Lehrkräfte. Die Lehrkräfte argumentieren damit, dass bei einer Erhöhung der Wochenstundenzahl von 23,5 auf 24,5 Wochenstunden die Qualität des Unterrichts leiden würde. Doch wenn man einmal genauer die Fakten betrachtet, so stellt man fest, dass die Lehrkräfte in Niedersachsen mit 23,5 Wochenstunden mit die geringste Arbeitszeit im gesamten Bundesgebiet haben. Zudem lässt sich feststellen, dass in Ländern mit höherer Arbeitszeit der Unterricht nicht leidet, dies ist gut an den Beispielen Bayern und Sachsen zu sehen, die bei den PISA-Studien immer einen der vorderen Plätze belegen. Die Streichung der Klassenfahrten als Antwort auf die Mehrarbeit ist nicht zu rechtfertigen. Dieses Mittel steht in unseren Augen in keinem Verhältnis zur Stundenaufstockung um eine Stunde. Klassenfahrten sind ein wichtiger Bestandteil einer jeden Schullaufbahn und fördern die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern. Meist sind mit ihnen auch prägende Erinnerungen und eine schöne Zeit verbunden. Diese zu streichen schadet dem Schüler-Lehrer-Verhältnis und würde dieses auch nachhaltig trüben. Zudem sind im Vorfeld dieser Debatte die Schüler die Leittragenden gewesen, mussten sie doch die G8-Reform hinnehmen. Zudem wird mit dem Geld, welches bei der Mehrarbeit gespart wird, sehr sinnvolles getan. Dieses Geld wird vor allem in den Bildungssektor fließen, unter anderem werden so 5000 neue Krippenplätze geschaffen. Dieser Punkt der frühkindlichen Erziehung wird leider zu oft vernachlässigt, leider nun auch durch das Betreuungsgeld auf Bundesebene. Auch die die Arbeit der Lehrer wird investiert. Die neuen Pläne sehen vor, dass 80 Millionen Euro in Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte investiert werden. Eine Investition, die sich in Zukunft auszahlen wird. Uns ist bewusst, dass Lehrer keinen leichten Job haben und erkennen ihre Arbeit selbstverständlich auch an. Sie tragen eine hohe Verantwortung und begleiten Kinder und Jugendliche durch ihre Schulzeit. Doch dieser Verantwortung müssen sich auch andere Berufsgruppen stellen, die für eine meist geringere Besoldung das gleiche, wenn nicht sogar ein höheres Arbeitspensum bewältigen müssen. Auch meinen wir, dass durch die jetzige Kritik das Problem falsch angegangen wird. Das Problem liegt in unseren Augen an der Einführung von G8, da der gleiche Unterrichtsstoff in einem Jahr weniger behandelt wird und somit Schüler und Lehrkräfte unter deutlich mehr Stress stehen. Hierbei stellt sich die Frage, wieso dies nicht früher in Form eines öffentlichen Protestes bemängelt wurde. Damals wurde der Lehrerschaft durch Schwarz-Gelb ein ganzes Jahr gestrichen, was beispielsweise sogar Unterricht an Wochenenden zur Folge hat. Im Vergleich zur jetzigen Welle der Empörung wegen einer Stunde mehr fiel der Protest bei der Einführung von G8 deutlich geringer aus. So wirkt es teilweise so, als würden die Lehrer die Schüler für sich instrumentalisieren und politische Stimmungsmache betreiben. Die Diskussion darf nicht weiter auf dem Rücken der Schülerschaft ausgetragen werden und muss entschärft werden. Unser Bildungssystem sowie unsere ganze Gesellschaft werden aktuell nur funktionieren, wenn wir die zu stemmende Last gerecht auf allen Schultern verteilen. Wenn durch eine Stunde Mehrarbeit wichtige Investitionen in frühkindliche Bildung und die Abschaffung der Studiengebühren bewerkstelligt werden können, dann profitieren davon am Ende alle.

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