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Willkommen im 21. Jahrhundert, Herr Grundmann!

Monday, 16.September 2013 von

News

Im Stader Tageblatt vom 6. September ist in einem Bericht über die Kreismitgliederversammlung der CDU zu lesen, dass der Direktkandidat für den Wahlkreis Stade I / Rotenburg II, Oliver Grundmann, das Betreuungsgeld unterstützt. Man möchte ihm und großen Teilen seiner Partei sagen: Willkommen im 21. Jahrhundert! Das Betreuungsgeld passt vielleicht in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, im Jahr 2013 hat es jedoch nichts verloren.

Dieses Betreuungsgeld kommt einer bildungs- und familienpolitischen Katastrophe gleich. Es verfestigt völlig überholte Geschlechterrollen, die nichts mehr mit der sozialen Wirklichkeit von jungen Frauen zu tun haben. Diese Frauen sollen so an den Herd gefesselt werden, anstatt einer eigenständigen Arbeit nachzugehen. Das Betreuungsgeld zeigt eindeutig, welches Rollenbild in der CDU herrscht, nämlich eines, das absolut veraltet und heutzutage nicht mehr angebracht ist.

Weiterhin werden so Kinder aus sozial eher schwachen Verhältnissen noch weiter benachteiligt: Die Eltern dieser Kinder werden ihren Nachwuchs so vielleicht daheim lassen, was beispielsweise Erziehungsdefizite weiter verstärkt und auch aus integrationspolitischer Sicht sehr schädlich ist, denn gerade den Kindern von Migranten nützt das frühe gemeinsame Spielen und Lernen. Doch auch Kinder aus eher besser situierten Haushalten nützt ein Platz in der Kita. Studien zeigen, dass Kinder, die schon früh soziale Gruppenerfahrungen durch den Besuch einer Kita erleben, später deutlich selbstbewusster und sozial kompetenter werden. Wir brauchen also mehr Kita-Plätze, die qualitativ hochwertig sind.

Derzeit werden stattdessen Milliarden für das Betreuungsgeld rausgeworfen, eine völlig unsinnige Maßnahme, die niemand will. Im ganzen Bundesland Hessen gab es insgesamt bis Anfang August nur 44 Anträge für das Betreuungsgeld, in Thüringen keinen einzigen. Diese Milliarden sollten stattdessen in den Ausbau von Kindertagesstätten investiert werden, damit junge Frauen Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren können und Kinder schon früh gefördert werden.

Lieber Herr Grundmann, liebe CDU, die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart lassen sich nicht mit Maßnahmen der Vergangenheit bewältigen.

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